premiere

Im Schlaraffenland


#Tischlein, deck dich!
Premiere am 13.01.2018, Studio
 
Uraufführung
Recherche-Projekt


Samstag, 13. Januar 2018, 20.00 Uhr
Studio
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Wo die Hühner gebraten durch die Luft fliegen, aus den Brunnen Wein fließt und die Kleider auf den Bäumen wachsen, sind Völlerei und Faulheit die höchsten Tugenden. Keinerlei Mühen sind notwendig, wo mehr als genug zum Leben vorhanden ist. Wenn es alles im Überfluss gibt, verhallt der Ruf nach Mäßigung ungehört. Doch auch um das Schlaraffenland zieht sich eine Mauer: Sie ist berghoch und aus Reisbrei – nur die besten Esser können sich durch sie durcharbeiten.
Für Neuss am Rhein mit seinem drittgrößten Binnenhafen Deutschlands ist die Nahrungs- und Genussmittelindustrie ein wichtiges Standbein. Öl und Mehl, Ketchup und Mayonnaise werden hergestellt und auf Schiffen in aller Herren Länder geschickt. Obst und Gemüse aus der ganzen Welt kommt hier in Containern an und wird weiterverteilt. Sogar Futter für Tiere – ob Hund, ob Pferd – kommt nicht zu kurz. Food-City Neuss trifft auf die Wohlstandsgesellschaft Deutschland und auf das Schlaraffenland Europa. Doch ist dieser Ort zugleich das Paradies, wo das Glück am allergrößten sein soll? Und wo bleibt der Genuss, wenn der Exzess das Normale ist? Erhält sich das literarische Schlaraffenland aus sich selbst, so stellt sich in der Wirklichkeit die Frage, wer die Kosten zahlt. „Im Schlaraffenland“ lässt das berühmte Märchen auf die Überflussgesellschaft der Gegenwart treffen und wird zur Recherche zum Spielzeitthema Mäßigung.

Bereits seit der Antike sind Legenden von einem Land, in dem alles im Überfluss vorhanden ist, überliefert. Auch im Alten Testament finden sich entsprechende Anspielungen. Pieter Breughel der Ältere malte um 1567 ein Bild mit dem Titel „Scharaffenland“. In Ludwig Bechsteins Märchensammlung findet sich die Erzählung, die die meistverbreitete Vorstellung des Schlaraffenlandes liefert.