Verehrtes Publikum!

glauben! bedeutet sich einzulassen auf die Bereiche an den Rändern
des rationalen Verstandes. Es ist ein Bedürfnis, das mehr mit
Vertrauen als mit Wissen zu tun hat. Wem oder was kann ich
glauben? Diese Frage berührt uns existenziell – sei es in religiösen
Fragen, in der Partnerschaft oder uns selbst gegenüber. Der Glaube
speist sich aus einer Quelle in uns, die jenseits des Wissens
liegt und von der wir ahnen, dass sie mehr Wahrheit hervorbringt,
als wir erkennen wollen.
Die Irrationalität des Glaubens macht ihn angreifbar und streitbar
– lässt ihn aber auch zu einem Auffangbecken für alle ungestillten
und unerklärbaren Sehnsüchte und Wünsche werden.
Nicht zu glauben! ist unmöglich. Wenn der Mensch sein Denken
nur auf Materielles und experimentell Beweisbares reduziert, verarmt
er und verschließt sich den großen Fragen über das Leben,
ihn selbst und Gott.
In der Eröffnungsinszenierung HIOB wird der Glaube eines einfachen
Mannes auf eine harte Probe gestellt – wie beim biblischen
Hiob aus dem alten Testament.
DAS KÄTHCHEN VON HEILBRONN schenkt ihren Traumbildern
mehr Glauben als der Wirklichkeit und katapultiert sich damit an
den Rand der menschlichen Gemeinschaft.
In PINOCCHIO, unserem Familienstück zur Weihnachtszeit, wird
die Frage nach dem Menschsein auf ganz naive Weise gestellt: ab
wann wird aus einem Stück Holz ein Mensch mit Herz und Seele?
Es wird eine spannende Spielzeit – glauben! Sie mir.
Bettina Jahnke
Intendantin









