Auszeit! Ein musikalischer Seelenritt (UA)
Auszeit! Ein musikalischer Seelenritt (UA)
Fotograf: Björn Hickmann / Stage Pictures Emilia Haag, Richard Erben
Auszeit! Ein musikalischer Seelenritt (UA)
Fotograf: Björn Hickmann / Stage Pictures Linda Riebau, Claudia Felix, André Felgenhauer
Auszeit! Ein musikalischer Seelenritt (UA)
Fotograf: Björn Hickmann / Stage Pictures
Auszeit! Ein musikalischer Seelenritt (UA)
Fotograf: bj
Auszeit! Ein musikalischer Seelenritt (UA)
Fotograf: Björn Hickmann / Stage Pictures
Auszeit! Ein musikalischer Seelenritt (UA)
Fotograf: Björn Hickmann / Stage Pictures
Auszeit! Ein musikalischer Seelenritt (UA)
Fotograf: Björn Hickmann / Stage Pictures
Auszeit! Ein musikalischer Seelenritt (UA)
Fotograf: Björn Hickmann / Stage Pictures
Auszeit! Ein musikalischer Seelenritt (UA)
Fotograf: Björn Hickmann / Stage Pictures
Auszeit! Ein musikalischer Seelenritt (UA)
Fotograf: Björn Hickmann / Stage Pictures
Auszeit! Ein musikalischer Seelenritt (UA)
Fotograf: Björn Hickmann / Stage Pictures
WEITERE BILDER

Kai Wolters und Walter Kiesbauer

Auszeit! Ein musikalischer Seelenritt (UA)


Pilgern bis ans Ende der Welt | Ein Liederabend mit Live-Musik
Premiere am 28.09.2012, Schauspielhaus
 
Uraufführung
Besetzung
Autor Kai Wolters 
Walter Kiesbauer
Inszenierung und musikalische Leitung Walter Kiesbauer
Bühne/Kostüme Gesine Kuhn
Mitarbeit Bühne/Kostüme Anne Brüssel
Produktionsbetreuung Kai Wolters
Choreographie Sandor Pergel
Dramaturgie Alexandra Engelmann (geb. Jacob)
Irmgard, die Langzeitstudentin Katharina Dalichau
Jimmy, der Checker Richard Erben
Max, der Lehrer André Felgenhauer
Cécile, die Journalistin Claudia Felix
Penelope, die Heilpraktikerin Emilia Haag
Ursel, die Frau des Lehrers, und Herbergsmutter Linda Riebau
Jakob, der Ur-Pilger, und Herbergsvater Gabriel Rodriguez
Hans Jürgen, der Manager Rainer Scharenberg
Gitarre Andreas Blüml 
Eberhard Fink
Saxophon/Klarinette Bernd Bolsinger
Drums Jochen Clüsserath 
Jonathan Göring
Keys Tobias Cosler 
Walter Kiesbauer
Bass Peter Imig
weitere Termine

Pressestimmen
NGZ vom 01.10.2012
Theater mit Gänsehaut-Garantie
Walter Kiesbauer und Kai Wolters haben für das RLT einen Theaterabend geschaffen, der gängige Grenzen ignoriert. In "Auszeit! Ein musikalischer Seelenritt" wird gespielt, aber nicht gesprochen.
[...]Es gibt keine Dialoge, keine richtigen Monologe, sondern nur viel Musik. Nur Musik? Nein, die Musik! Mit der Produktion "Auszeit! Ein musikalischer Seelenritt" im RLT hat Komponist, Arrangeur, Musiker und Regisseur Walter Kiesbauer ein neues Genre geschaffen, das mit den bisherigen erfolgreichen Theater-Liederabenden eines Franz Wittenbrink ("Sekretärinnen", Mütter") nur begrenzt zu vergleichen ist.
Einzig wohl in dem Punkt, [...]dass auch Kiesbauer sich bedient: bei Madonna, Pet Shop Boys oder Metallica und auch bei Schubert und Brahms. Doch er montiert nicht nur Song an Song, sondern erzählt über sie eine Geschichte
Kommunikation und Interaktion, die Charakterisierung findet einzig über die Lieder statt. So lange des Managers Handy an seinem Ohr klebt, ist er überzeugt: "Ich muss noch kurz die Welt retten" (Tim Bendzko). So lange die Langzeitstudentin nicht weiß, wohin mit ihrem Leben, spiegelt sich das bei "Frei, das heißt allein" (Roland Kaiser) in ihrer verkniffenen Mimik. So lange der Checker nicht merkt, dass er gar nicht so cool ist, glaubt er: "Ich bin zu geil für diese Welt" (Fantastischen Vier).
Kiesbauer hat jedem sein Lied auf den Leib arrangiert, Kai Wolters hat passende Texte geliefert; die Live-Musiker sind phantastische Begleiter und die Schauspieler spielen, was sie singen. Wie Katharina Dalichau von der mürrisch-verzagten Studentin Irmgard zur weichen jungen Frau wird; wie Linda Riebau die gehorsame Ehefrau abstreift und ihren Mann, André Felgenhauers bräsigen Max, hinter sich lässt; wie Rainer Scharenbergs Hans Jürgen zum mitfühlenden Gegenüber der kranken Cécile wird und sie Queen's "Who wants to live forever" singen – das berührt, begeistert und hat oft genug auch geistreichen Witz.
Großartige Charakterstudien liefert dieser Abend nicht, aber viele kleine und sprechende Momente über Menschen, die sich verändern können, wenn sie es wollen. Die allegorische Figur des Ur-Pilgers Jakob ist dabei eine wirksame Brücke zum eigenen Ich. Das Bühnenbild mit einer großen Spiegelfläche birgt für den Zuschauer noch den besonderen Reiz einer Draufsicht auf diese Suchenden. Der absolut perfekte Schlusspunkt ist dann Leonard Cohens "Halleluja". Ein Gänsehaut-Finale.

(Helga Bittner)


DaCapo Magazin November

[…]
Wer […] bei der Neusser Inszenierung angesichts der Thematik und Symbolträchtigkeit „zu schwere Kost“ befürchtet, der kann sich wieder beruhigen. Walter Kiesbauer […] gelingt nicht zuletzt durch die Musikauswahl der Spagat zwischen Anspruch und beschwingter Unterhaltung. Pop- und Rocksongs wie „Go West“ von den Pet Shop Boys oder „Steh auf“ von Marius Müller Westernhagen wurden dabei neu arrangiert und teilweise durch geringe Textänderungen in einen neuen Kontext gebracht. Kiesbauer würzt dabei seinen musikalischen Pilgertrip mit einer kräftigen Prise Humor, so zum Beispiel bei der Begegnung des jugendlichen „Ich bin zu geil für diese Welt“ – Vertreters Jimmy mit der Esoterikerin Penelope , die sich schützend vor den beinahe zertretenen „Karl, der Käfer“ wirft.


Begleitet von einer fünfköpfigen Band beeindruckt das Ensemble des Rheinischen Landestheater Neuss an diesem Abend sowohl durch darstellerische als auch durch stimmliche Leistung. Besonders die oft mehrstimmigen Ensemblenummern wie „500 miles“ und dem finalen „Hallelujah“ von Leonard Cohen sorgen für reichlich Gänsehaut. Aber auch im Einzelnen können die Schauspieler überzeugen.

Rainer Scharenberg gibt mit einem perfekten Gespür für Timing den gestressten Manager Hans-Jürgen, der auf seiner Mission „Nur mal kurz die Welt (zu) retten“ schließlich erkennen muss, dass beruflicher Erfolg nicht alles im Leben ist. Glaubhaft wechselt Scharenberg innerhalb kurzer Zeit vom unentbehrlichen Chef zum vor Selbstmitleid triefenden Häufchen Elend, doch entwickelt er auf seiner Pilgerreise nach und nach auch ein Gespür für die Sorgen und Nöte anderer.
So zum Beispiel, als er mit der Krebserkrankung der Journalistin Cecile konfrontiert wird. Diese wird glaubhaft von Claudia Felix verkörpert, die sich erst tough und selbstbewusst, später aber klein und verletzlich zeigt.

Das Lehrerehepaar Max und Ursel, dargestellt von Andre Felgenhauer und Linda Riebau sorgen in der Neusser Inszenierung für einige komische Momente. So mancher Frau und vielleicht auch manchem Herrn im Publikum werden diese „Bilder einer Ehe“ bestimmt bekannt vorgekommen sein.
Auch wenn es am Ende zur Trennung kommt, spielt und singt Linda Riebau ihren Befreiungsschlag mit der deutschen Version von Zaz „Je veux“ derart überzeugend, dass man schon fast von Happy End sprechen möchte.
Sich befreien von ihren Ängsten und Unsicherheiten kann sich dann auch Katharina Dalichau in der Rolle der verklemmten Langzeitstudentin Irmgard. Anfangs noch unsicher und scheu erkennt sie schließlich in ihrer für Gänsehaut sorgenden Interpretation des Metallica-Songs „Nothing else matters“, was wirklich im Leben zählt.
An Selbstvertrauen scheint es Jimmy, dem jugendlichen Checker dagegen nicht zu mangeln. Schauspieler Richard Erben gelingt es jedoch, in seiner Rolle den fürsorglichen und eigentlich auch unsicheren jungen Mann durchschimmern zu lassen.
Sehr beweglich zeigt sich Emilia Haag in der Rolle der Esoterikerin und Heilpraktikerin Penelope.
Ihr kauft man das scheinbar unbekümmerte Blumenkind sehr gut ab. Emilia Haags Interpretation von Madonnas „Like a Prayer“ wird nicht nur durch den eindrucksvollen Blätterregen einer der Showstopper des Abends.
Starke Bühnenpräsenz zeigt Gabriel Rodriguez in der Rolle des Urpilgers Jakob. Meist konfrontiert er die Vorbeiziehenden mit unbequemen Wahrheiten, gleichzeitig hilft er ihnen aber auch, immer wieder aufzustehen und weiterzugehen.

Leider war das Rheinische Landestheater Neuss bei der besuchten Samstagabend-Vorstellung trotz niedriger Kartenpreise zwischen 9 und 24 Euro unverdienterweise verhältnismäßig leer, was vielleicht auf noch mangelnde Mund-zu-Mund-Propaganda zurückzuführen ist. Angesichts der durchweg positiven Resonanz des anwesenden Publikums, das die gelungene Inszenierung gebührend feierte, wird sich dies jedoch hoffentlich sehr bald ändern. Zu wünschen wäre es dem Neusser Theater allemal.



ZUM STÜCK

Spätestens seit Hape Kerkelings Bestseller „Ich bin dann mal weg“ sind viele Menschen neugierig darauf, wie es wohl ist, sich einmal eine Auszeit zu nehmen und die Route von den Pyrenäen bis zum Grab des Heiligen Jakobus in Santiago de Compostela zu laufen.

Angetrieben von der Lust am Abenteuer und der Sehnsucht nach Veränderung begegnen sich auf dem Pilgerpfad Menschen, die sich sonst vielleicht nie getroffen hätten. Unterschiedliche Beweggründe und Erwartungshaltungen prallen aufeinander. Doch was verbirgt sich hinter der Suche nach Erkenntnis? Die Pilger erleben auf dem Weg zu ihrem Selbst Haarsträubendes, Erheiterndes und Trostloses. Lange Märsche, schwere Rucksäcke und anstengende Weggefährten zehren an den Nerven. Glücksgefühle und völlige Erschöpfung gehen miteinander einher.

In AUSZEIT! wird die Kraft der Musik dazu beitragen, die Gefühls-, Körper- und Seelenzustände der Wanderer pointiert zum Ausdruck zu bringen. Dafür schöpft das Autorenteam aus einem reichhaltigen Vorrat von mehr oder weniger bekanntem Liedgut, neu arrangiert und bearbeitet. Mit Titeln aus dem Repertoire der Pet Shop Boys über Evergreens von Nancy Sinatra und Rap-Songs der Fantastischen Vier bis zu aktuellen Titeln wie Tim Bendzkos „Nur noch kurz die Welt retten“ wird die Läuterung erleichtert.
Aber der Weg ist lang und die Frage ist: Schaffen sie den Weg, oder schafft er sie?