Lola
Lola
Fotograf: Björn Hickmann / Stage Pictures
Linda Riebau, Richard Erben
Lola
Fotograf: Björn Hickmann / Stage Pictures
Linda Riebau, Hergard Engert
Lola
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Lola
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WEITERE BILDER
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nach dem Drehbuch für Rainer Werner Fassbinder P. Märksheimer / P. Fröhlich

Lola


Liebe und Intrigen im Wirtschaftswunderland
Premiere am 16.09.2011, Schauspielhaus
 



Sonntag, 15. April 2012, 18.00 Uhr
ca. 150 Minuten inkl. Pause | Schauspielhaus
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Besetzung
Autor nach dem Drehbuch für Rainer Werner Fassbinder P. Märksheimer / P. Fröhlich
Regie Bettina Jahnke
Bühne/Kostüme Ivonne Theodora Storm
Musik Walter Kiesbauer
Dramaturgin Barbara Noth
Schuckert Joachim Berger
Frau Schuckert/Susi Katharina Dalichau
Fräulein Hettich/Frau Fink Doris Dexl
Frau Kummer Hergard Engert
Esslin Richard Erben
Völker André Felgenhauer
Lola Linda Riebau
Von Bohm Rainer Scharenberg
Frau Völker/Gigi Melanie Vollmer
Musiker Walter Kiesbauer/Eberhard Fink
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Pressestimmen
Neuss-Grevenbroicher-Zeitung vom 19.09.2011
(…) Einen Blick ins Getriebe der Gesellschaft unternimmt Bettina Jahnke mit ihrer Inszenierung von Fassbinders "Lola" und dabei gelingt ihr gleich dreierlei: Ein stimmungsvolles, grandioses Charakterbild der sogenannten "Wirtschaftswunderjahre" mit ihren Träumen, Hoffnungen und blinden Flecken, eine brillante Studie über Käuflichkeit und den Mehrwert als einzigen Wert der Gesellschaft, und vor allem ein unterhaltsamer Theaterabend, packend in jeder Minute, kritisch und zart, berührend und analytisch zugleich.
Besticht schon das Gesamtkonzept dieser Inszenierung, so sind es die vielen wunderschönen Details, die sie unvergesslich machen: Die Schlager der Fünfziger Jahre hat Walter Kiesbauer als musikalischer Leiter neu arrangiert, nüchterner, zarter und authentischer, und lässt sie erklingen und singen wie ihren Widerhall in den (Kehl-)Köpfen jener Jahre.
(…) Sehr schön gelingt es Ausstatterin Ivonne Theodora Storm, den Ort des Geschehens (…) als einen zu zeigen (…), an dem gekauft und verkauft wird, ganz gleich ob es um Bauplanungen oder andere Dienstleistungen geht.
Entscheidend sind die Schauspieler: Linda Riebau zeigt Lolas entschiedenen Kampf um Anerkennung, ihre Verachtung für das Spiel (…), ihre Sehnsucht nach Liebe und ihr Wissen um deren Funktionalität brillant und unendlich facettenreich. Sie ist als Lola lieblich und zart, zornig und robust, immer voller Würde und Hoffnung (…)
Joachim Berger begeistert als Schuckert, ist mit jeder Geste, jedem Blick überzeugend als Raubtier, das die Welt nach eigenen Regeln gestaltet, alle kauft und doch die Käuflichkeit verachtet. Ein Misanthrop, der um die Macht des eigenen Geldes weiß. Rainer Scharenberg ist großartig als Baudezernent von Bohm, sympathisch, bürokratisch, voller Ideale und dennoch käuflich, einfach nur ein wenig teurer. Ein Moment, in dem das ganze Theater minutenlang den Atem anzuhalten scheint, ist der Blick zwischen ihm und Lola. Zwei Liebende, die sich in ihrer Käuflichkeit erkennen und dennoch mitmachen in dem großen, destruktiven Spiel, in dem Geld allein die Welt regiert.


Der Neusser, Oktober 2011
Trällerndes Wirtschaftswunder serviert im Hurenkorsett. (…) Moral hat keinen Wert. Tatkraft, Geld und große Sprüche, das sind die Werte, die einen in dieser Zeit voranbringen. „Raubvögel, Krähen und Aasgeier“ machen das Spiel. Erzählt wird die Geschichte einer Kleinstadt, in der der Baulöwe Schuckert das Sagen hat. Er zahlt gut und sorgt für Wohlstand; für seine Geschäftspartner, für den Bürgermeister und für seine Edelhure Lola. Profit und Genuss sind seine Lebensstatuten. Mit ihnen hält er seine Mitstreiter bei der Stange. Nur der neue Baudezernent von Bohm mag sich nicht unterordnen. Er ist von feiner Art, nicht bestechlich und ein Mann mit ehernen Grundsätzen. (…) Wirklich brenzlig wird es erst, als sich von Bohm ausgerechnet in Lola verliebt.
(…) Lola ist der dritte Film aus Fassbinders BRD-Trilogie, zu denen auch die Filme „Die Ehe der Maria Braun“ und „Die Sehnsucht der Veronika Voss“ zählen. In diesen Werken sind es die Frauen, an denen sich die Geschichte offenbart. Auch in der Inszenierung der RLT-Intendantin Bettina Jahnke formt sich die Zwiespältigkeit der lukrativen Nachkriegsjahre am weiblichen Rollenbild. Wer sind sie, diese nach Wohlstand, Nylonstrümpfen und Kleidern trachtenden Geschöpfe; was haben sie und was können sie im aufstrebenden System leisten? (…) Denken tun die Männer, dominieren und handeln auch. Nur ausgerechnet Lola dreht an der Welt. „Bei mir weiß der Verstand mehr als die Seele“, sagt sie und begreift, wie man mit loyalem Scharfsinn an den Strippen des Daseins zieht. Auch wenn das kostet.
Jahnke hüllt die Geschichte in ein Potpourri aus Schlagern und Ohrwürmern der 50-er. Mal trällernd, mal säuselnd, auch schmetternd untermalen oder belächeln sie die Aura jener Jahre. (…) Je tiefer man mit ihr geht und sich auf ihr Spiel aus Komödie, Schwung und Atempausen einlässt, desto mehr verlässt man die Filmszenerien und findet sich in einem gelungenen Theaterabend aus Unterhaltung, Spannung und Anregung wieder; findet Menschen, von denen Bettina Jahnke mit Begeisterung erzählt. Diese Leichtfertigkeit am Werk zeichnet einmal mehr ihre Theaterarbeit aus.


ZUM STÜCK

Eine deutsche Kleinstadt im Wirtschaftswunderrausch der späten 50er Jahre. Der Baulöwe Schuckert hat sich mit den Politikern und Honoratioren der Gemeinde verbündet, um seinen Profit zu optimieren. Man trifft sich regelmäßig in der Villa Fink, einem plüschigen Etablissement, in dem auch Schuckerts Geliebte Lola als Showgirl auftritt. Als der neue Baudezernent von Bohm ankündigt, den Sumpf trocken legen zu wollen und Disziplin und Ordnung einziehen zu lassen, herrscht Aufregung im Stadtrat. Doch von Bohm verliebt sich ausgerechnet in Lola und liefert Schuckert damit eine Steilvorlage, ihn ruhig zu stellen.

Mit einer Live-Band und den Schlagern aus der Wirtschaftswunderzeit lässt LOLA das Gefühl der 50er Jahre wieder lebendig werden und erzählt die Geschichte zweier Liebender, die aus Konventionen ausbrechen und Unerwartetes tun.

LOLA wurde 1981 als dritter Teil der „BRD-Trilogie” von Rainer Werner Fassbinder verfilmt. Barbara Sukowa spielte im Film die Lola, Armin Mueller-Stahl war als von Bohm und Mario Adorf als Schuckert zu sehen.