Liebes Publikum,


unsere Welt wird immer kleiner, auch wenn ihr Umfang gleich bleibt. Heute kann eine minimale Bewegung auf der einen Seite der Erde eine Katastrophe auf der
anderen bewirken. Norden und Osten, Westen und Süden sind voneinander abhängig wie nie zuvor. Waren- und Datenströme verbinden die Kontinente. Wanderbewegungen überwinden jegliche Grenzen. Abschottung und die Beschwörung der eigenen Nation bieten nur scheinbar Schutz. Zugleich vermehrt sich die Menschheit in rasender Eile und erhebt Anspruch auf alle Ressourcen ihres Wohnortes Erde. So ist die Gegenwart das erste Zeitalter in der Geschichte unseres Planeten, das komplett und irreversibel von der Spezies Mensch beeinflusst ist.

Um nichts Geringeres als die Welt und das, was der Mensch aus und mit ihr gemacht hat, geht es uns in unserer Spielzeit 2018/19: So führt in Mamma Medea von Tom Lanoye eine tragische Familiengeschichte aus Kolchis, dem heutigen Georgien, quer über das Schwarze Meer nach Griechenland. In Vicki Baums Menschen im Hotel treffen Weltenbummler und aus der Welt Gefallene aufeinander. Ist das Schicksal der Menschen eine selbst fabrizierte Apokalypse, fragen wir in unserer Weltuntergangsrevue Die kurze Geschichte der Menschheit. William Shakespeare, dem die Welt als Bühne gilt, lässt seine Heldin Viola in Was ihr wollt auf ihrer Weltreise Schiffbruch erleiden und an den Strand Illyriens spülen.

In Europa verteidigen unternimmt Konstantin Küspert einen Parforceritt kreuz und quer durch die europäische Geschichte und bis an die Grenzen unseres Kontinentes. Herz der Finsternis nach der Erzählung von Joseph Conrad führt uns nach Afrika, seit Jahrhunderten kontinuierlich vom reicheren Teil der Welt ausgebeutet, ebenso wie in die Abgründe der menschlichen Seele.

Aus verschiedenen Blickwinkeln, nachdenkend und mit viel Gefühl wollen wir unsere Welt vermessen. Kommen Sie mit uns auf die große Reise. Wir freuen uns auf Sie!

Ihr
Reinar Ortmann, Intendant